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Psychodoxe Verhältnisse und wie es einmal sein könnte...

Wenn wir Bedeutungen untereinander in Beziehung setzen, stellt sich schnell eine Umkehr in der logischen Reihenfolge von Ereignissen her: Nicht das erste bringt dann das zweite hervor sondern umgekehrt: das zweite gibt dem ersten seinen Sinn und bringt es so in seiner Bedeutung hervor.

Unsere Zeit ist geprägt von einer kontrollierenden Haltung, ...

... die nach Kausalitäten und Determinationen sucht, um diese beeinflussen und kontrollieren zu können.
Wie sähe eine Zukunft aus, in der unsere Handlungen etwa im Geiste Friedrich Nietzsches sprechen würden: "Lasset den Zufall zu mir kommen, ich brate ihn mir noch allemal in meiner Pfanne zurecht." Sie würde sich wie die Bildanalytik dem seelischen Reichtum stellen mit seinen ungeheuerlichen Möglichkeiten und nicht versuchen, sich von den darin enthaltenden Gefahren freizukaufen.

Von einer kontrollierenden zu einer "nachschaffenden" Haltung

Manchmal wollen die Dinge im "Erledigungsmodus" behandelt werden, ein anderes Mal scheint es so, als sollten wir mit ihnen gleichsam "ins Labor gehen" und herumprobieren (Labormodus). Bei genauem Hinschauen sehen wir: Ein kontrolliertes (eigenes) Umschalten von dem einen in den anderen Modus kann uns nicht gelingen. Die Wirklichkeit nimmt uns das in der Form eines Zufalls regelmäßig ab: Entweder erfahren wir, dass sich etwas von selbst erledigt hat (wir hatten z.B. zu lange gewartet) oder wir werden in den anderen Modus (der aufs Ausprobieren gerichtet ist) gleichsam hineingestoßen: z.B. fällt uns etwas unerwartet zu, oder etwas sehr Wichtiges fällt uns plötzlich ein. 
Die Kontrolle über dieses Hin-und Her besitzen wir nicht und es fällt uns nicht leicht, das hinzunehmen. Deshalb versuchen wir dem Zufall, dem wir uns in jeder Entwicklung aussetzen, etwas Kontrollierendes entgegenzusetzen. Und genau dabei verwickeln wir uns in die aufwendigsten Systeme und Zwänge hinein.
Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit: Wir könnten den korrigierenden Zufall (nachschaffend - also nachdem er zugeschlagen hat) zu unserer eigenen Sache machen: Dann setzen wir ihm eine tätige Reaktion entgegen, die in ihren Folgen (und da zählt das Ergebnis!) "Ja" sagt zu dem Schubs, den er uns gegeben hat. Wenn sich eine solche Einstellung in unserer Kultur durchsetzen könnte, würde das weitreichende Folgen haben: Die Dinge um uns herum würden aus den vorgegebenen Schematisierungen herausfallen und bereitstehen, ihr "eigenes" Gleichnis zu erzählen. Unsere Wirklichkeit würde dabei reicher werden, und die Angst vor einem Kontrollverlust unser Lebensgefühl nicht mehr dominieren, sondern vielmehr steigern und vertiefen.



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