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Plädoyer für die Eitelkeit

Radio-Interview beim WDR2 - Daheim und unterwegs
Moderation: Jürgen Orthaus

HAUPTSACHE GUT AUSSEHEN

9:20 Hinweis auf das Thema: Daheim und Unterwegs - Gespräche und Musik am Vormittag - Heute am Mikrophon Jürgen Orthaus - Hauptsache gut aussehen. Die Eitelkeit ist unser Thema ab 10.00 Uhr. Vorher können sie wie immer König von Deutschland werden. Hier bei uns auf WDR2.

Moderator: (9:45) Hauptsache gut aussehen, die Eitelkeit ist unser Thema in der nächsten Stunde. Dazu eine erste Frage an unseren Studiogast: Sind sie eitel?

W. Mikus: Ja ich glaub' ich muß zugeben, daß ich auch eitel bin.

Moderator:
Wieso?

W. Mikus:
Also wenn ich so morgens aus dem Haus geh' dann kann es schon passieren daß ich meine drei Jacketts der Reihe nach erst mal ausprobiere, um zu gucken, ob ich mir so gefalle. Meine Frau sagt dann schon mal: "sei nicht so eitel!".

Moderator:
Heute haben sie ein ja blaugraues, lilafarbenes, leicht kariertes ganz zart dezent kariertes Jackett an, warum? entspricht das heute ihrer Gemütsverfassung? dazu ein lilafarbenes Hemd und ein weißes T-shirt unten drunter.

W. Mikus:
Ja - ich kann das gar nicht so sagen, so mit Worten beschreiben. Irgend etwas gibt es wahrscheinlich, so einen Punkt, von dem aus ich dann sagen kann, so jetzt geht es oder so geht's nicht.

Moderator:
aha, das ist Werner Mikus, Diplompsychologe und praktizierender Therapeut aus Köln. Da sind wir schon mitten in dem Thema drin, wie gehn sie mit Ihrer Eitelkeit um Herr Mikus wenn sie da vorm Spiegel stehen morgens und sagen so, was soll ich jetzt anziehen was geht ihnen da durch den Kopf?

W. Mikus:
Da geht mir eigentlich gar nichts durch'n Kopf. Also, das ist ne Stimmung. Ich bin also sehr grau bis weißhaarig und das gefällt mir dann manchmal nicht so gut. Dann bringt mich erst, also nach dem Blick in den Spiegel, 'ne Korrektur sagen wir mal des Hemdes wieder in Stimmung.

Moderator:
Also wenn sie ihrer Eitelkeit ein bißchen nachgeben sind sie gut drauf.

W. Mikus:
Ja, so kann man das sagen.

Moderator:
Hauptsache gut aussehen, das ist unser Motto der nächsten Stunde hier bei uns auf WDR2, die Eitelkeit, unsere und ihre ist unser Thema. Ich frage sie meine Damen und Herren wie halten sie's denn eigentlich mit Ihrer Eitelkeit, geben sie ihr gerne nach wie z.B. unser Studiogast Herr Mikus, blenden sie ganz gerne mal oder verachten sie das eitle Gehabe bei sich und anderen, ja oder was haben sie mit eitlen Zeitgenossen alles so erlebt? Greifen sie zum Telefon unsere Nummer ist wie immer 0221 für Köln, 236648, 0221 für Köln 236648, rufen sie jetzt an und zwar jetzt.

(Musik, Werbung, Nachrichten, Musik)

Moderator: Treffen sich zwei Schauspieler. Sagt der eine, Du ich hab dich gestern im Supermarkt gesehen, fragt der andere Schauspieler zurück: "war ich gut?" Unser Thema dieser Stunde: Hauptsache gut aussehen, ein Plädoyer für die Eitelkeit, Werner Mikus, Diplompsychologe und praktizierender Psychotherapeut, darf ich nicht vergessen zu sagen, aus Köln, halten sie mal ihr Plädoyer für die Eitelkeit, bitteschön!

W. Mikus:
Ja, wenn wir uns mit der Eitelkeit beschäftigen, jetzt hier, dann beschäftigen wir uns mit der Eigenliebe. Die Menschen sollten doch von sich selber etwas halten und sich mögen, das muß man vielleicht zunächst mal sagen.

Moderator:
Sich selber mögen

W. Mikus:
Sich selber mögen, ja, das ist auch bekannt. Es muß aber trotzdem gesagt werden, nur wer sich selbst mag, der kann auch dem anderen was geben, schenken. Sich selber mögen hat was zu tun mit einer Art Reichtum und Menschen mit denen was los ist, die betreiben auch einen gewissen Kult, sie stilisieren vielleicht irgend etwas

Moderator:
an sich?...

W. Mikus:
an sich selbst, ja, und

Moderator
: heißt das, sie stilisieren etwas an sich was an ihnen schon vorhanden ist, prägen sie das besonders aus oder versuchen sie damit Defizite zu verschleiern?

W. Mikus:
Beides ist möglich! Also ich hab jetzt natürlich ein Plädoyer halten wollen in ihrem Auftrag ...

Moderator:
So ist es gemeint,

W. Mikus:
Also es gibt wirklich beides, einmal kann also die Eitelkeit uns begegnen - wenn wir genauer hingucken unterscheiden wir dann auch und sagen unter Umständen Stolz oder was anderes dazu aber wir bleiben zunächst einmal bei dem Wort Eitelkeit - aus dem Reichtum heraus, es kann aber auch aus der Schwäche heraus kommen, dann ist es ´nen Versuch, etwas zu beweisen, zwanghaft ja, ne Meinung beim anderer hervorzurufen, die man von sich gerne hätte, ja aber man glaubt selber nicht so richtig dran, dann wird das zwanghaft und lästig aufwendig.

Moderator:
aber die positiven Seiten sind jetzt gefragt.

W. Mikus:
Ja, die positiven Seiten - das heißt, wir haben irgend einen Lebensstil entwickelt und sie fragten ja eben woher das kommt. Also wir haben irgendwelche Erfahrungen gemacht und spitzen die eigentlich immer wieder zu.

Moderator:
Wenn wir das mal konkret machen, Was ist denn ihr Lebensstil, den sie aus ihrer Eitelkeit heraus entwickelt haben?

W. Mikus:
Ja ich glaub in den letzten Jahren ist mein Leben dadurch sehr stark bestimmt, daß ich Ausbilder bin, ich bilde also Psychotherapeuten aus, Analytische Berater und Psychosozialberater und dabei muß ich sehr viel Theorie machen entwickeln und dabei formt sich auch irgendwie meine ganze Person.

Moderator:
Ja, wie?

W. Mikus:
ja ich glaub, meine Hobbys beispielsweise, die kriegen dadurch ein anderes Gesicht, ich hab `n Computer zum Schreiben zu Hause oder

Moderator:
Ich bringe das noch nicht so ganz in Zusammenhang mit Eitelkeit, das, den Sprung schaff' ich nicht.

W. Mikus:
Ja, vielleicht denkt man bei Eitelkeit auch immer so an die Dinge die peinlich sind, wo man sich da so schämen muß ja, und da wär natürlich es immer schlechter wenn man da über sich selber jetzt reden muß ja und die Dinge, die 'n bißchen vielleicht peinlich sind oder lächerlich sind die zu benennen.

Moderator:
Hm.! Eitelkeit, das kann man doch sagen: zu bekennen, all' das schöne was man kann, das herauszustellen, ist es das?

W. Mikus:
Ja das kann man sagen! Es gibt ja Menschen, die können das zeigen, ohne daß es andere beschämt, vielleicht ist das ein ganz wichtiger Punkt. Also das was man kann, was einen auszeichnet, das so zu zeigen, daß es nicht wiederum andere beschämt.

Moderator:
Und beflügelt sie das denn in ihrer Arbeit?

W. Mikus:
Ja, auf jedem Fall!

Moderator:
Ja, ist es auch ne Triebfeder zu einem guten Handeln? Eitelkeit, möglicherweise?

W. Mikus:
Ja, also ich kann das nur jedem empfehlen, so seine Eigenart sich anzuschauen und die als Triebfeder zu nutzen.

Moderator:
Ein erstes Plädoyer für die Eitelkeit von Werner Mikus.

(Musik)

Moderator: Wenn du von Außen ausgestattet bist, so wird sich alles zu dir drängen, ein Kerl, der nicht ein wenig eitel ist, der mag sich auf der Stelle hängen. Wer hat das wohl gesagt? der alte Johann Wolfgang von Goethe. Unser Thema Hauptsache gut aussehen, die Eitelkeit. Dazu haben wir jemand am Hörertelefon, guten Morgen, wer ist dran?

Hörer1:
Ja schönen guten Morgen, Gundram Althoff ist hier, ich bin Student aus Paderborn.

Moderator:
Und - wie ist es bei Ihnen mit der Eitelkeit?

Hörer1:
Joo - also wenn ich morgens in'n Spiegel Seh, mich Seh dann bin ich eigentlich zufrieden.

Moderator:
(kurzes Lachen) Wie kommt das?

Hörer1:
Ja, das liegt daran, daß der Spiegel recht weit oben ist und ich meinen Bauch nicht sehen kann, also ja, also ich bin so selbst zufrieden mit mir, ich Seh nicht besonders gut aus

Moderator:
Oberhalb der Gürtellinie meinen sie dann ("Ja", des Hörers dazwischen), wenn ich das so salopp sagen darf.

Hörer1:
Ja so allgemein, so meine Meinung von mir, ich bin also nicht so..

Moderator:
Und Sie kommen ganz gut damit zurecht, daß sie an sich mehr die schönen Seiten sehen als die negativen, das ist so ihr Lebensstil.

Hörer1:
Das muß man auch tun sonst mäkelt man ja ständig an sich rum und versucht was zu verändern und ich hab' gestern noch ne Sendung im Fernsehen gesehen, wo also Leute dann sich Lidschatten und solche Sachen also reintätowieren lassen oder sowas und ich denke das muß eigentlich nicht sein denn ich finde "schön ist nicht schön - Gefallen macht schön". Und ja, an sich da muß man also nicht so viel tun.

Moderator:
Also sie vertrauen auf das Schöne was sie haben, das andere, ja, das verschleiern sie ein bißchen. Ist es richtig?

Hörer1:
Ja, verschleiern, ich denke mal, die Leute, denen ich wichtig bin, die sehen, die Dinge an mir, die gut sind und die anderen Dinge nehmen sie mit.

Moderator:
O.k. Herr Althoff, schönen Dank (Ja?), daß sie angerufen haben, ja!

Hörer1:
Tschüüß!

Moderator:
Ich hör mal rein in die zweite Leitung, guten Morgeennn!

Hörer2:
Ja guten Morgen hier ist Erich Kretzen. Wir hatten eben miteinander gesprochen und da hatte ich mich vorgestellt, daß ich ein Trittbrettfahrer der Eitelkeit bin.

Moderator:
Genau das hatte mir so gut gefallen, dieser Satz, sagen sie mal was hinter diesem Satz steckt.

Hörer2:
Ja also ich genieße es sehr, daß die Leute aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Äußeres auch unterschiedlich gestalten, da ist ja in Köln eine sehr große Palette von zu sehen und bin aber selber jemand, der sich seit über 20 Jahren eigentlich immer in gleicher Weise kleidet.

Moderator:
Warum?

Hörer2:
Ja, das ist für mich praktisch, ich hab da dann auch einfach zu kombinierende Möglichkeiten, die dann dem Wetter angepaßt oder...

Moderator:
Es paßt seit 20 Jahren immer alles zu allem was sie haben. Immer dasselbe

Hörer2:
Ja, das eigentlich noch weiter zurückreichend. Aber man kann sagen seit 20 Jahren hat es sich also sehr deutlich stabilisiert.

Moderator:
Ja das ist ja ungeheuer (lachend). Halten sie sich denn für eitel oder grade für das Gegenteil?

Hörer2:
Naja, ich meinte eben schon, so etwas Eitelkeit steckt darin, daß man ein gepflegtes Äußerliches hat aber das betrachte ich in dem Rahmen was man umgekehrt der Gesellschaft auch schuldig ist und was einem selbst gefällt.

Moderator:
Aja!

Hörer2:
Aber es steckt da jetzt nicht drin, wenn man so grob sagt, das Balzverhalten ich will jetzt da irgendwo Chancen haben oder irgendwo, daß da jemanden zu etwas täuschen wo ich vielleicht gar nicht so ...

Moderator:
Das machen sie nicht!

Hörer2:
... dahinterstehen würde. Also da hat der Vorredner eigentlich so einiges gesagt, was für mich zutrifft: die Leute, die mich kennen, die nehmen mich eben so wie ich bin

Moderator:
Ja - Eine Frage noch, sagen sie mal was ziehen sie denn seit 20 Jahren immer wieder an?

Hörer2:
Naja. Also ich habe meistens so feingerippte Stretchhosen - meistens in Schwarz dann in dunkelbraun und auch noch in 'nem beige. Und dazu noch entsprechende Strickwesten mit Metallknöpfen.

Moderator:
Wahnsinn! hab ich noch nie gesehen!

Hörer2:
(Lacht) Naja, also, im Winter kommt dann noch eine braune Cordjacke mit Metallknöpfen dazu. Da hat mich z.B. die Carmen Thomas auch nach einem Jahr sofort wiedererkannt und wußte genau, daß ich schon mal dasselbe anhatte...(lachen)

Moderator:
Sie haben immer dasselbe an und fallen dadurch auf, spitzenmäßig Herr Kretzen aus Köln, schönen Dank, daß sie angerufen haben und machen sie weiter so!

Hörer2:
Ach so ich wollte noch etwas dazu sagen und zwar fällt mir auf, daß ja in der Natur immer die Männchen die ausgestatteten sind, die jetzt die Weibchen locken mit ihrer Schönheit, ne?. Und bei den Männern und Frauen ist das ja eigentlich über viele Jahrhunderte umgekehrt, weil die Männer sich ja immer geschlachtet haben...

Moderator:
Und sie machen es jetzt mit ihrer schwarzen feingerippten!

Hörer2:
Ne! und jetzt beobachte ich bei den anderen eben, daß dadurch, daß die Männer nicht mehr abgemurkst wurden ja jetzt doch mehr Männer da sind und jetzt kehrt sich das Balzverhalten um. Jetzt sind also von beiden Seiten eigentlich die Leute um ihre Chancen am werben

Moderator:
Ja ich glaube das ist ganz schwierig, heute macht der Expreß mit der Schlagzeile auf "Kölns Männern laufen die Frauen weg" wir haben viel zu tun, packen wir's an, danke schön Herr Kretzen!

Hörer2:
(lacht) Auf Wiederhören!

(Musik)

Moderator: Hauptsache gut aussehen, das ist unser Motto in dieser Stunde hier bei uns auf WDR2 und dazu ein Schnelldurchlauf durch das Alphabet der Eitelkeit: Affig, anmaßend, arrogant, aufgeblasen, blasiert, dünkelhaft, eingebildet, geckenhaft, gefallsüchtig, herablassend hoffärtig, kokett, putzsüchtig, selbstgefällig, süffisant, überheblich. Tja man findet eigentlich eher negative Begriffe zum Thema Eitelkeit als positive Werner Mikus, Psychologe und Psychotherapeut, warum ist die Eitelkeit so negativ besetzt?

W. Mikus:
Ja, wir haben mit der Eitelkeit ja auch ne sehr negative Erfahrung, nämlich wir kriegen immer wieder mit, daß andere lästig werden, daß sie also von uns irgendeine Meinung bestätigt kriegen wollen, vielleicht weil sie ihrer eigenen Urteilskraft nicht richtig zutrauen, also mehr sich auf das Urteil der anderen verlassen. Oder, es gibt also sehr viele Gründe...

Moderator:
Sie meinen damit, wenn ich das mal so interpretieren darf ein Mensch der eitel ist, der erwartet, das der andere, sein Gegenüber also ihn in seinen Ansichten immer bestätigt.

W. Mikus:
Der möchte das beglaubigt bekommen, Ja!

Moderator:
und das finden wir so unangenehm an den Menschen

W. Mikus:
Ja wenn das also einmal kommt, ja, dann geben wir ja auch gerne ne Rückmeldung aber wir freuen uns lieber mit dem Anderen wenn er nett aussieht. Ja? wenn wir spüren das stimmt nicht und er traut sich selber nicht, dann wird das eben Arbeit. Und manche Menschen die haben ein Bild von sich und das haben sie dann selbst noch aus der zweiten Hand noch nichtmals selbst wenigstens als Hypothese

Moderator:
Tja die Mode, die tut ja auch ihr Teil dazu. Sie bestimmt ja auch Formen sogar Klischees zu pressen. Also wenn du ein Typ in einer bestimmten Szene sein willst mußt du das und das anziehen. Hat das was mit Eitelkeit zu tun , und zwar im negativen Sinne?

W. Mikus:
Nein! das ist erst mal eine Vorgabe wie das Horoskop was man morgens ließt, das kann einem auf ne Idee bringen, ja, wenn man sich jetzt sklavisch daran hält oder wenn man sich davon tyrannisieren läßt, oder das benutzt um immer gut anzukommen um das Bild ich bin Top, ich bin "in" z.B. beim Anderen wachzurufen, dann ist es Mühe und Aufwand. Eigentlich ist der Aufwand das was der Mensch nicht mag - wenn einer mit zuviel Aufwand daherkommt. Alles Gute und Starke kommt leichtfüßig daher und nicht mit soviel Brumbumm!

Moderator:
Aha,..salopp gesprochen (lachen)! Es gibt einen Satz, der hat mich also sehr erstaunt weil er so einfach und so klar ist. Eitelkeit ist die Ursache für die ganze Menschheitsmisere, wie oft haben Herrscher Kriege geführt weil sie die Relativierung ihrer wahren Persönlichkeit nicht aushalten konnten. Also die persönlich in Frage gestellt wurden, dann haben sie zugeschlagen, das kann auch dazu führen?

W. Mikus:
Ich möchte da noch einen drauftun: ich möchte sagen, also die verletzte Eitelkeit ist die Mutter aller Trauerspiele. Das sagt das Gleiche noch mal.

Moderator:
Erzählen sie das - interpretieren sie das mal ein bißchen

W. Mikus:
Ja, eine Kränkung, die muß jetzt gar nicht an der eigenen Person durch ne andere Person durchgeführt worden sein sondern ich kann einfach unzufrieden sein, weil das Schicksal anders wollte als ich es wollte. Und das verletzt mich jetzt so, daß ich also so fremdbestimmt bin, und jetzt kann ich auf diese Verletzung unter Umständen so reagieren, daß ich mich am ganzen Leben räche, am Leben schlechthin. Und, das ist dann so'n Trauerspiel. Ich sag dann, das Leben taugt nichts, die Wirklichkeit bringt nicht das was sie verspricht oder alle Menschen sind schlecht...

Moderator:
Da rutscht ja jeder mal rein - ein Satz dazu, wie kommt man wieder auf den richtigen Weg zurück wenn man in so einem Loch sitzt? wo die Eitelkeit verletzt ist, gekränkt ist?

W. Mikus:
Ja, man braucht eine Hilfe, manchmal kommt's durch 'nen Zufall, durch irgend ne Versuchung, durch nen anderen Menschen, der es anders macht, man muß also eine Hilfe bekommen, wieder in die Krise sich reinzutrauen, also sich noch mal die Sache selber anzuschauen, wo man also dann mit einem Rundumschlag reagiert hat. Man muß einfach noch mal genau reingucken in die Sache, den Spielraum auch noch mal bekommen.

Moderator:
Wie man sich auch diese Hilfe selbst geben kann darüber reden wir nach der Werbung.

(Werbung)

Moderator: Hauptsache gut aussehen, die Eitelkeit ist unser Thema heute vormittag, wer ist am Hörertelefon, guten Morgen?

Hörer3:
Guten Morgen, hier ist Unger aus Düsseldorf

Moderator:
Frau Unger,

Hörer3:
Ja! Und ich wollte was dazu sagen, ich wohn in Düsseldorf-Oberkassel und da gehört es eigentlich zum guten Ton, daß man sehr gut gekleidet ist und daß man auf jeden Fall schlank ist, daß man sich das leisten kann auch schlank zu sein über gute Ernährung und Fitnesprogramme usw. und ich paß' also in dieses Bild nicht rein.
Moderator: Wie gehn sie denn damit um?

Hörer3:
Ja, wie geh ich damit um. Also jetzt ruf ich z.B. an und rede darüber. Ich hab auch - eine Frauenzeitschrift hat das Thema neulich aufgegriffen da hab ich auch nen Leserbrief zu geschrieben oder Leserinnenbrief und dann geht's mir schon 'n Stück besser; ich denke so das dick sein das hat eben oft was damit zu tun, das Menschen sich nicht gut ernähren können oder weil sie eine schlechte Lebenssituation haben, bei Frauen ist ja sehr oft das Problem, wenn sie sexuellen Mißbrauch in der Kindheit zu ertragen hatten, daß die entweder zu dick oder zu dünn sind und das sind alles so Zeichen irgendwie, da ist irgendwas nicht in Ordnung und damit will sich die Gesellschaft nicht mit auseinandersetzen und dann ächtet sie irgendwas.

Moderator:
Wie drückt sich das denn aus bei ihnen, wie reagieren andere auf sie wenn sie sie sehen?

Hörer3:
Ja, ach, an sich so - ab und zu gibt es halt mal ne blöde Bemerkung, die gibt's natürlich auch, also ich war auch schon ganz, ganz dünn also als ich jünger war so zwischen 16 un' 25 da hab ich mir die Hippiemode selbstgenäht, das war also 66, 75 und so, da hab ich auch anders...; also ich sage mir ein bißchen, es ist egal was ich mache, bin ich dünn und näh ich mir meine Sachen selber, die nicht so, genauso aussehen wie aus dem Versandhaus, dann werd' ich angemacht, oder angeguckt oder so, dann ist das nicht in Ordnung. Jetzt bin ich halt zu dick geworden als Alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern usw., das paßt auch nicht in die Norm, also wenn sie meckern wollen, die Leute haben vielleicht auch manchmal einfach nur unheimlich viel Frust am so Arbeitsplatz dann gucken sie um sich und so und dann sehn sie wie man...

Moderator:
dann reagieren sie sich an ihnen ab...

Hörer3:
Ja, ich find das eben so blöde, ich denke da sollte vielmehr drauf hingewiesen werden, daß das eigentlich auch ne, ja auch ne Unverschämtheit ist, nicht nur ein schlechtes Benehmen, sondern auch ne Unwissenheit, ne Dummheit und ne Unverschämtheit.

Moderator:
Ich möchte gerne mal unseren Studiogast fragen, deshalb haben wir ihn ja eingeladen, Herr Mikus, wenn jemand in so einer Situation ist, daß er auffällt und zwar nicht immer positiv und das schmerzt natürlich, das kränkt, wie kann man sich da helfen?

W. Mikus:
Das Einfachste scheint mir in diesem Fall - auch wenn sich das jetzt vielleicht etwas ketzerisch anhören  mag - in 'ne andere Gegend zu ziehen...

Moderator:
Das sagen sie so, wobei jemand der nicht das Geld dazu hat einfach umzuziehen.
Was kann man denn so... was kann man denn so im Kopf machen? Ich mein, man muß ja nicht unbedingt gleich wegziehen, das ist ja ne sehr harte Maßnahme?

W. Mikus:
Das ist schon richtig. Aber ich habe es deshalb so hart gesagt, weil wir das Einfache und Nahliegende sehr oft ganz einfach nicht sehen oder sehen wollen: Wir glauben dann um jeden Preis festhalten zu müssen an dem was wir haben oder besser "vermeintlich" nur haben -  und laborieren so vor uns hin. Es ist eben nicht alles so schön aufgehoben in einer gerechten  Ordnung und regelbar wie es sich über unserem Kopf vielleicht darstellt.

Moderator:
Aja, aber was kann man denn über den Kopf tun?

W. Mikus:
Natürlich kann man auch in dem Sinne wie Sie es meinen, etwas über den Kopf tun...

Moderator:
Sagen sie's

W. Mikus:
(an die Hörerin) Sie haben es ja mit anderen Worten - wie ich meine - eben selber schon gesagt: Es gibt Mitmenschen, die brauchen eine Zielscheibe. Und wahrscheinlich brauchen sie diese, um von ihren eigenen Schwächen abzulenken. Da liegt es doch nahe,
daß diese dann in dem "Aus-der-Form-geratenen",  jemanden  finden, auf den  es sich mit
einem gewissen Triumph herabschauen läßt...

Moderator: Ich bin ja nur die Projektionsfläche für eure Schwächen, das ist der Trick. Frau Unger, schönen Dank daß sie uns darauf hingewiesen haben, ich hoffe, sie können damit so leben, schönen Dank für ihren Anruf.

Hörer3:
Ja, außerdem wollt' ich dazusagen, ich bin also nicht bereit, wegzuziehen...

W. Mikus:
Mein etwas provozierender Ratschlag wollte auch vor allen Dingen auf ein dahinter liegendes Problem aufmerksam machen und natürlich nicht im Sinne eines konkreten Ratschlags oder gar Rezepts verstanden werden...

Hörer3:
und außerdem ist das ein sehr schöner Stadtteil (Mikus reinsprechend: Ja, ich kenn'  diesen Stadtteil sogar persönlich), der hat sehr viel Grün also da wer, die Kinder, die wollen hier auch nicht weg, also...

Moderator:
Bleiben sie da wohnen, machen sie's gut, Tschüs!

Hörer3:
(lachend) Jo, tschüs!

(Musik)

Moderator: Hauptsache gut aussehen, ein Plädoyer für die Eitelkeit, das ist unser Thema hier in dieser Stunde auf WDR2. Was Claudia Schiffer macht um so blendend auszusehen wie jetzt auf den Modeschauen der Haut de Couture in Paris, ja das bleibt natürlich ihr Geheimnis, Else Stratmann ist da ganz offen, was ihr Schönheitsrezept angeht:

Else Stratmann: Also, das Rezept das geht so, ich hab das aufgeschrieben, sie tun drei Kartoffeln kochen ne?, schön weich, dann Pampe draufmachen und dann mit Sahne auf'n Gesicht schmieren, ne? Ja Gott, das sieht jetzt nicht schön aus im Moment aber wenn sie ausseh'n wollen wie Barbara Rütting da müssen se da eben durch, ne? Ist auch ein Foto bei von de Gatte von Barbara Rütting, ne? wie der mit'm Pinsel an ihr Bett sitzt und so ne Maske auf'n Gesicht schmiert. Das tät Willy nie. Der darf sowat auch garnich' wissen, daß ich dat immer mach ne? aber andererseits wollen se dann auch immer, dat die Gattin nett und frisch aussieht ne, selber machen se nix, ne, wir schmieren uns Patsche aus Gurken auf'm Gesicht, Eigelb auf de Backen, Fenchel auf de Augen und wat machen die ne? gerade mal dat se im Sommer de langen Unterhosen weckpacken, dat is' et dann aber schon. Ja, nix ma' hier, Willy ja, kannst ruhig gucken, ich Seh dich, kannst ruhig ma' machen, Dampfmaske für de verwüstete Gesichtslandschaft oder auch mal Brunnenkresse könnest' mal auflegen für de Säcke unter de Augen ne? ja, dat wer mal nötig, ne nix, da haben die Männer keine Lust für ne, aber wir sollen entschlacken, Möhren roh essen ne, Zitronen auf'm Tänng datte aussiehst wie Greta Garbo, Ja un' wat hab ich dann davon wenn ich ausseh' wie Greta Garbo un' dann geh ich mit mein Willy durch de Gruga und de Leute bleiben stehen und sagen, kumma wat is' denn dat denn da fürn Gorilla mit Greta Garbo in de Gruga?

Moderator:
(Lachen) Sind Männer, Werner Mikus, was die Eitelkeit betrifft anders als Frauen? - das haben wir eben so gehört, nicht? der Gorilla und dann Greta Garbo.

W. Mikus:
Ich glaub die Eitelkeit drückt sich bei den Männern auf anderen Feldern aus.

Moderator:
Auf welchen denn?

W. Mikus:
Ja vielleicht haben sie irgend ne Sammlung, ich z.B. sammle Füllfederhalter, da kann man...

Moderator:
Ja, - kommt der mit 'nem Kuli in die Sendung und sammelt Füllfederhalter (lachen). Sie ham sich, ich weiß das, lange geziert in diese Sendung zu kommen, aus Eitelkeit wie sie sagen, warum?

W. Mikus:
Ja, das ist wahrscheinlich so die Überlegung bei mir gewesen, erst wenn ich in meiner Sache, so was ich eigenes zu sagen habe, reif genug bin, dann will ich mich auch hier und da mal stellen. Und im Grunde ist es auch Eitelkeit, daß ich...

Moderator:
Also dann, wenn ich schon was sage, dann will ich das auch richtig gut machen. Ist das typisch männlich, also so grade diese Schiene, also so erfolgreich zu wirken ist das ein Zeichen von männlicher Eitelkeit.

W. Mikus:
Das ist eine Falle in die der Mann gut reintappen kann ja!, das gibt's bei den Frauen auch ne, aber...

Moderator:
Wir sind beim Mann und ein Mann ist am Telefon und zwar ein bedeutender, Dr. Franz-Josef Antwerpes, der Regierungspräsident von Köln, guten Morgen Herr Dr. Antwerpes!

Dr. Antwerpes:
Guten Morgen! Herr...

Moderator:
Das Thema Eitelkeit, wenn Politiker in den Medien auftreten dann, oder mächtige Männer, dann wird ja häufig gesagt, das machen sie auch aus öhhhhh! einem gewissen Grad von Eitelkeit, stimmt das? Ich mein, sie sind ja medienerfahren, sie spielen ja auf der Klaviatur der Medien ziemlich brillant.

Dr. Antwerpes:
Ja also ich würd' sagen, das ist natürlich ein gewisser Grad von Eitelkeit wobei der Begriff wobei der Begriff der Eitelkeit sich in den letzten Jahrzehnten wohl gewandelt hat, während der früher negativer behaftet war, so etwa in Richtung von hoffärtig, ist er heute nicht ganz positiv aber zumindest auch nicht mehr ganz negativ besetzt. Ich hab mich schon gefragt, als ich das Chaos erlebte wie sie mich erreichen, ich sag wie hoch ist eigentlich meine Eitelkeit, jetzt aufzulegen und zu sagen, die können mich mal kreuzweise.

Moderator:
Oh, und warum haben Sie es nicht gemacht?

Dr. Antwerpes:
(ins Wort fallend) Dann hab ich also festgestellt, daß meine Eitelkeit in soweit geringer ist indem ich sagte, wenn sie mich nicht erreichen, dann soll'n sie es lassen und jetzt erreichen sie mich an einer Stelle, die sie gar nicht vermuten, beim Wechseln von Peseten.

Moderator:
(lachen) wo stecken sie?

Dr. Antwerpes:
Ich stecke (mitlachend) in einer Bank ...

Moderator:
Oh! ein Kompliment an unsere Telefonistin!

Dr. Antwerpes:
... aber ich werde sie nicht ausräubern.

Moderator:
Ahja, was halten sie denn von der These Eitelkeit ist positiv?

Dr. Antwerpes:
Ja also, soweit würd' ich ja natürlich nicht gehen, man muß ja auch immer die Eitelkeit des Anderen mit in Kauf nehmen. Montesquieu hat ja mal gesagt, wenn man seine Eitelkeit befriedigen wolle muß man die Eitelkeit anderer verletzen und ich glaube an der Grenze muß man schon was festmachen, das kann auch découvrierend für den anderen sein. Also ich denk, Alfred Biolek hat mal, mich mal gefragt, sind sie eitel? Hab ich ihn gegengefragt, wer fragt mich das?

Moderator:
(lachend) Das ist sehr, sehr gut!

Dr. Antwerpes:
Das ist die kürzeste Erklärung der Eitelkeit.

Moderator:
Aber ihnen wird ja auch vorgehalten, daß sie so ein bißchen selbstgefällig seien wenn sie in den Medien auftreten. Also das wird ihnen vorgehalten.

Dr. Antwerpes:
Ne! das, das ist dummes Zeug, das machen natürlich nur meine Gegner. Tatsächlich ist das so, wenn man eine Sache aus Überzeugung vorträgt und die anderen das sind so Labersäcke, die überhaupt nicht wissen was sie wollen, dann ist es klar, daß sie sagen, also der ist eitel und der hat da ne Überzeugung die ist so zugespitzt und da sieht man mal wieder, das hängt aber nicht von mir ab sondern davon, daß die anderen so ne diffuse Grundüberzeugung haben wenn überhaupt, die ärgern sich ja nur, daß sie so mittelmäßig sind.

Moderator:
Daß man ihnen Eitelkeit vorwirft ist nur die Schwäche der andern

Dr. Antwerpes:
Nein, nicht immer, ich meine, man hat natürlich auch Schwächen aber in der, in dem Fall wenn es darum geht, irgend eine Sache positiv zu besetzen, dann muß man schon sagen, da muß man was durchfechten egal ob ein anderer einen eitel nennt oder nicht das ist mir auch scheißegal dann.

Moderator:
Letzte Frage an den Medienprofi Dr. Franz-Josef Antwerpes, wenn sie irgendwo Schwächen haben - jeder Mensch hat ja Schwächen - wie überdecken sie die? durch Stärken, sprich auch en vielleicht ein kleines bißchen Eitelkeit?

Dr. Antwerpes:
Durch Stärken? wissen sie wenn sie viele Feinde haben müssen sie vieles besser wissen, da müssen sie arbeiten, da müssen sie präzise sein, da müssen sie Daten kennen, da müssen sie Zusammenhänge sehen, das kann sich vielleicht einer, der liebevoll aussieht und sich jeden Tag parfümiert eher leisten, daß er das alles nicht weiß, ich kann mir das nicht leisten.

Moderator:
Dankeschön!

Dr. Antwerpes:
Bitte! (ausklingendes Lachen des Sprechers)

(Musik)

Moderator: Ja es gibt schon eitle Menschen, da hat einer, ein Politiker einmal eine Prostataoperation über sich ergehen lassen und darüber wurde auch dann ausführlich in den Zeitungen berichtet und auch das wird dann auch bildlich dargestellt und dann sagte dieser Politiker, das gewisse gezeichnete Körperteil sei ihm zu klein gewesen oder ein anderer Politiker, von dem sagt man, der kommt immer gehetzt zu Partys und das erste was er sagt ich muß dringend telefonieren mit Schewardnardse, mit dem britischen Außenminister oder dem deutschen Botschafter in China; wieder ein andrer Politiker aus Berlin läßt sich immer mit einer anderen Krawatte fotografieren und nach dem Foto vernichtet er diese Krawatte, damit er nie zweimal mit der gleichen Krawatte fotografiert wird. Frage an Werner Mikus, ja was sind das für Zeichen von Eitelkeit, wo deutet das, worauf deutet das hin?

W. Mikus:
Also, da wir gerade einen Politiker an der Strippe hatten will ich drauf eingehen, daß es da ja um Politiker geht, ja?, die Politiker, die müssen etwas verkörpern, das ist ein ganz besonderer Umstand, da hat der Dr. Antwerpes recht, daß er ein Konzept...

Moderator:
Müssen wir ja alle irgendwo

W. Mikus:
Ja aber die müssen das von Berufswegen. Die müssen einen Henkel haben, diese Leute, einen Griff haben, das tut also auch uns gut. Und dann hätt' ich noch gerne was erzählt zu diesem Punkt des Überdeckens von Schwächen

Moderator:
Also ich hab das noch nicht ganz verstanden, die müssen einen Henkel haben, nen Griff, wofür?

W. Mikus:
Also derjenige, der sich politisch vertreten läßt ja, der kann gar nicht so viel im Kopf haben, der braucht irgendwie einen einfachen Griff, d.h. der stellt sich unter dem - von mir aus -.also unter dem Wehner z.B. da könnt' man sich was vorstellen, ja? und man braucht Persönlichkeiten, die irgendwie in einer menschlichen einfachen Weise ein Konzept vertreten...

Moderator:
Also die Bürger stülpen den Politikern Klischees über und die Politiker sorgen auch dafür, daß diese Klischees erhalten bleiben, damit sie prägnant bleiben als Persönlichkeiten, auffallen.

W. Mikus:
Wobei das Wort Klischee dann so ne abwertende Betonung reinbringt, das muß nicht so...

Moderator:
Das ist ja eigentlich nichts Negatives

W. Mikus:
Ne, ganz und gar nicht!

Moderator:
man muß ja in dieser Gesellschaft seine Rolle verkörpern, sonst...

W. Mikus:
Ja, mancher ist aber zu eitel, sich ein solches Klischee wie sie's nennen, anpassen zu lassen.

Moderator:
Man spricht ja von dem Doppelcharakter der Eitelkeit. Und zwar gibt es eine Eitelkeit aus Stärke und eine aus Schwäche, was ist darunter zu verstehen?

W. Mikus:
Ja vielleicht kann ich das an dem Beispiel der Liebe also in der Beziehung zum Partner deutlich machen. Also besonders für den, der jetzt ganz verliebt ist, ist das so verständlich. Er kann wenn er ne Schwäche hat, versuchen, diese Schwäche, dem anderen zu ersparen, also sie zu verdecken, weil er einfach aus lauter Liebe versucht, eine Art Gott für diese Frau zu sein, sag ich jetzt mal als Mann. Er kann es aber auch versuchen zu verdecken, weil er Angst hat den Partner zu verlieren, ja und das spürt der Partner, ob das aus dem Reichtum kommt oder aus einem Gefühl der Armut, jetzt sag ich's mal ganz hart, ja.

Moderator:
Und wie ist das zu bewerten? Kann man da ne Wertung sagen, das eine ist gut, das andere ist schlecht, sie haben das jetzt so einfach gesagt...

W. Mikus:
Ja, das spricht ja eigentlich für sich, derjenige, der sich stark fühlt, der was zu geben hat, das ist derjenige, der unser Vorbild ist, wir wollen natürlich Menschen sein, die reich sind und wir sind es auch meistens.

Moderator:
Und was macht der, der schwach ist

W. Mikus:
Ja, der braucht 'ne Hilfe, denn meistens ist er das nicht plötzlich geworden sondern das ist dann schon so ne Art Lebensstil geworden, er hat sich eingerichtet in seiner Armut.

Moderator:
Geben sie ne gewisse Hilfe jetzt!

W. Mikus:
Ja - Da muß ich vielleicht ein Plädoyer für die Ratlosigkeit halten.

Moderator:
Ja tun sie das!

W. Mikus:
Ich glaub wenn wir nicht immer davon ausgingen, daß wir immer heile sein müssen, daß immer alles o.k. ist und so, ja ich glaub die Neurose, wie wir das so nennen, ist nichts anderes, als der Zwang, immer heil sein zu müssen

Moderator:
Ja

W. Mikus:
Und dagegen will ich jetzt mal so das Ratlose setzen. Also der Mensch, der in einer Situation ist wo er sich ratlos fühlt, wo er also hin und -hergerissen ist, einerseits versucht, etwas anders zu machen, versucht ist, aber Angst hat, dann ein Chaos zu haben, entfesselt die Dinge, die er bisher gut zusammenhalten konnte. Auf der anderen Seite kann er nicht mehr unschuldig sein weil er durch diese Versuchung jetzt das alte, den alten Lebensstil, auch nicht mehr leben kann, der schmeckt nicht mehr

Moderator:
Und er weiß gar nicht mehr wohin

W. Mikus:
Er weiß gar nicht wohin, genau. Das ist ne Situation in die wir immer wieder reingeraten und wenn diese Ratlosigkeit jetzt wegkriegen, wegbügeln wollen, dann kommen wir erst in die ganzen Probleme rein und ich kann nur raten, wenn sie sowas spüren, so ne Ratlosigkeit, klopfen sie sich auf die Schulter und sagen, das ist gut, daß ich das überhaupt noch spüren kann, denn der sogenannte Neurotiker, der sozusagen kurz vor 'nem seelischen Konkurs ist, ja, also der wirklich harte, der kann das gar nicht mehr. Und der kann sich dann selber helfen oder aber er geht in irgendeine andere Hilfe rein, es gibt so viele Angebote, die einem da weiterhelfen können, manchmal hat man gute Freunde die reichen.

Moderator:
Das sollte man tun, Hauptsache gut aussehen, das war unser Motto in dieser Stunde, ein Plädoyer für die Eitelkeit, gehalten hat unser Studiogast Werner Mikus, vielen Dank, daß sie gekommen sind. Dank auch an Elisabeth Raffauf für ihre Recherchen, und an sie meine Damen und Herren natürlich für ihre vielen Anrufe, wenn sie Lust haben, sagen sie uns noch wie es ihnen gefallen hat, heute vormittag und was sie gerne mal hören möchten hier auf WDR2 am vormittag....

am 23.07.93



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