Neues Denken
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Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht. Sind Paradoxien nur scheinbare Widersprüche?
Was heißt das? Nehmen wir das Warten eines frisch Verliebten. Der Mensch in unserer Kultur deutet die Widersprüche in den Paradoxien gerne als etwas Vorübergehendes und setzt darauf, sich irgendwann von ihnen befreien zu können. An dem genannten Beispiel kann man sich deutlich machen, dass dies prinzipiell nicht gelingen kann: Der Widerspruch ist konstitutionell - nicht nur im geschilderten Beispiel sondern überall. Das führt zu einem wichtigem Grundsatz: So wie es in der Physik den Satz der Energieerhaltung gibt, so gibt es in dem psychodoxen, bildanalytischen Denken die Widerspruchs-Erhaltung: Die Widersprüche verändern ihre Erscheinungsformen, sie verschwinden nicht wirklich. Wir Menschen suchen aber unentwegt, dieser Natur ein Schnippchen zu schlagen. Mit großem Erfindungsreichtum entwickeln und erfinden wir alle möglichen Wege und Methoden, die uns am Ende doch noch die erfolgreiche Befreiung aus diesem Dilemma versprechen wollen. Die Widersprüche aber bleiben. In der Summe entsteht merkwürdigerweise etwas recht Brauchbares dabei - unsere Kultur. Psychodox sind alle Zusammenhänge, die wir als erlebbar ansehen müssen. Sie sind von bildhafter Natur, und jedes einzelne Bild ist in der Lage, ein Gleichnis für etwas anderes zu werden. Auf diese Weise bringen sich die "Dinge" selbst zum Sprechen. Sie zeigen ihr eigenes Bild von Wirklichkeit, wenn wir sie als Gleichnisse ausprobieren. Schon bei einer ersten Beschreibung dieser Zusammenhänge stoßen wir auf eine so geartete "widersprüchliche Stimmigkeit": Alles Einfache ist im Grunde eine Täuschung und leitet sich aus komplexen Zusammenhängen ab, nicht umgekehrt. Letzteres hat schon der Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead |

